Gürtelrose-Impfung gegen Demenz? Faktencheck 2026!

72 Prozent weniger Demenz – mit einer Impfung gegen Gürtelrose. So lautet eine der Schlagzeilen, die derzeit durch Medien und Fernsehsendungen geistern.

Wenn das stimmt, wäre es eine medizinische Sensation. Eine einfache Injektion – und das Risiko für eine der gefürchtetsten Erkrankungen des Alters sinkt dramatisch?

Nur: Woher kommen diese Zahlen eigentlich? Und was steckt wirklich hinter der Behauptung, dass der Varizella-Zoster-Totimpfstoff Shingrix plötzlich zum Demenzschutz taugen soll?

Ein genauer Blick auf die Studienlage zeigt schnell: Wir reden hier nicht über klinische, randomisierte, placebokontrollierte Untersuchungen. Sondern über retrospektive Datenanalysen aus elektronischen Krankenakten, über statistische Konstruktionen wie „Propensity Score“ – und über Effekte, die teilweise schon nach wenigen Monaten auftreten sollen, obwohl sich Demenz über Jahre entwickelt.

Was also haben wir hier wirklich? Eine medizinische Entdeckung – oder eine statistische Illusion mit Marketingpotenzial?

Genau das schauen wir uns jetzt nüchtern an. Was folgt, ist meine fachliche Bewertung der Studienlage – keine Tatsachenbehauptung über Wirksamkeit oder Unwirksamkeit.

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Gürtelrose und Windpocken

Windpocken werden durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöst. Dieses Virus ist einer von acht Herpesviren. Das gleiche Virus ist auch für die Entstehung von Gürtelrose verantwortlich. Hier ist die Gürtelrose als eine Art „Zweiterkrankung“ einzustufen. Denn nach der Windpocken-Infektion werden nicht alle Viren komplett aus dem Organismus entfernt. Sie „verstecken“ sich entlang sensibler Nervenfasern in den Spinalganglien und werden aktiv, wenn das Immunsystem schwächelt. Das klinische Bild ist dann das der Gürtelrose. [1] [2]

Der Vollständigkeit halber noch ein paar Gedanken zu den Windpocken: [3]

Jetzt berichtete das „Arznei-Telegramm“ (Dezember 2025) von einer absolut tollen Geschichte: „MIT DEM VARIZELLA-ZOSTER-TOTIMPFSTOFF SHINGRIX GEGEN DEMENZ IMPFEN?“

Das „Arznei-Telegramm“ jedoch scheint dieser Geschichte gegenüber skeptisch zu sein. Die Autoren des Beitrags erwähnen eine noch tollere Geschichte gleich zu Beginn: ein gewisser Dr. Eckart von Hirschhausen soll in der ARD für diese Impfungen als Demenz-Killer geworben haben.

Es gab da eine Sendung für Menschen wie Du und ich mit dem Titel „Kann ich Demenz aufhalten?“, in der Hirschhausen unter anderem erzählte, dass es neue Studien gäbe, denen zufolge eine „Impfung gegen Gürtelrose…. das Demenzrisiko massiv senken kann. Wie das genau passiert, wird noch erforscht…“

Es handelt sich um genau den Hirschhausen, der Impfgegner, Impfskeptiker und alle, die nicht sofort „Hurra“ schreien, wenn es um Impfungen geht, als „asoziale Trittbrettfahrer“ bezeichnete. [4]

Er wusste sich auch in Sachen „Corona“ wichtig zu machen und die Einführung der Geninjektionen zu unterstützen. Immerhin wurde er bzw. seine „Stiftung“ von der Gates Stiftung mit zusammen 1,8 Millionen USD gefüttert. [5]

Impfungen mit neuen Indikationsbereichen

Shingrix ist in Deutschland die einzige gegen Gürtelrose erhältliche Impfung. Dazu gibt es insgesamt fünf retrospektive Kohortstudien, die aus den USA stammen und die Frage nach Impfung und Demenz untersucht haben.

Interessant ist hier, dass keine der Studien eine klinische Studie ist. Vielmehr wurden hier Daten aus elektronischen Krankenakten und Abrechnungsdaten herangezogen, um daraus eine „Studie“ zu schnitzen. Aber es wird noch besser:

Eine der Studien wird vom Shingrix-Anbieter Glaxo durchgeführt. Bei zwei anderen Studien sind „Glaxo-Berater“ mit im Spiel.

Und die statistische Auswertung klingt auch abenteuerlich. Da es keine Placebogruppe gibt, schnitzt man sich eine. Das Verfahren nennt man „Propensity Score“ und ist eine rein theoretisch-statistische Berechnung einer imaginären Placebogruppe. Dieses Verfahren versucht eine Randomisierung nachzuahmen, indem Paare von möglichst identischen Personen gebildet werden und für diese die Wirkung der Maßnahme verglichen wird.

Oder mit anderen Worten: Reine Hypothese, keine echte wissenschaftliche Untersuchung und schon gar nicht belastbare Ergebnisse.

Diese scheinen ähnlich abenteuerlich zu sein wie deren Entstehung. Eine Studie ermittelte einen Effekt von 72 % weniger Demenz nach Impfung. Überzeugend, nicht wahr? Interessant ist hier, dass der Beobachtungszeitraum in der Schingrix-Gruppe nur sieben Monate betrug, der in der simulierten Kontrollgruppe ganze 23 Monate. Könnte es sein, dass in 23 Monaten mehr Fälle auftreten als in sieben Monaten. So war sichergestellt, dass neben der seltsamen Statistik auch noch die Fallzahlen in der Impfung-Gruppe geringer ausfielen, weil man den Beobachtungszeitraum verkürzt hatte. Überzeugend, nicht wahr?

In den vier anderen Studien wird Shingrix gegen andere Impfungen verglichen. Auch hier gibt es „überzeugende“ Ergebnisse. Dafür dürften die „Glaxo-Berater“ mitgesorgt haben.

Das „Arznei-Telegramm“ jedoch sieht hier keine wirklich aufsehenerregenden Beweise für eine derartige Wirksamkeit. Vielmehr sprechen die Autoren von Störfaktoren und Verzerrungseffekten, wie z.B. den „Healty-User-Effekt“, wo eine gesündere Lebensführung in der einen Gruppe das unterschiedliche Ergebnis zur Vergleichsgruppe signifikant beeinflusst. So etwas sei von keiner der hier durchgeführten Arbeiten berücksichtigt worden.

Wie kann die Gürtelrose-Impfung Demenz verhindern?

Was ist in der Impfung, das die Entwicklung von Demenz verhindern kann? Und wie sieht der Mechanismus aus? Auf diese Frage gibt es bislang nur eine Antwort: „Keine Ahnung!“

Und jetzt wird es noch mal eine Stufe abenteuerlicher. Jetzt sollen ausgerechnet die Wirkverstärker, die sonst in erster Linie für die Verursachung der Nebenwirkungen bekannt sind, die erlösende Komponente sein. Zu den Wirkverstärkern hatte ich diesen Beitrag gebracht: [6]

Das klingt wie das Motto „Wenn ich keine Erklärung habe, dann erfinde ich eine“. Und sei sie noch so abenteuerlich. Hauptsache man kann die Impfung gegen Demenz verkaufen und noch mehr Umsatz machen.

Diese „Entdeckung“ ist natürlich eine Steilvorlage für andere Impfungen mit besagtem Wirkverstärker. Arexvy, eine Impfung gegen RSV, sprang auf den gleichen Zug und ließ schnell berechnen, dass die Gabe für eine Verlängerung der Zeit bis zur Demenzdiagnose gegenüber der Grippeimpfung von 29 % sorgte. Warum Grippeimpfung? Und nicht ohne Impfung, also placeboähnlich? Sehr wahrscheinlich, weil Studien und solche, die vorgeben, welche zu sein, traditionell ohne Placebo durchgeführt werden. Warum sollte man das ändern, wenn auf diese Weise die Ergebnisse herausgeleiert werden, die man haben möchte?

Eine weitere Hypothese, warum so schöne Zahlen herausgesprungen sind, ist die Verhinderung von Gürtelrose durch die Impfung. Oder mit anderen Worten: die Impfung verhindert Gürtelrose und diese Verhinderung verhindert Demenz. Dann müssten die wenigen ohne virale Belastung und vor allem die ohne Symptomatik, aber mit Belastung ein deutlich geringeres Risiko für Demenz haben. Haben sie das? „Keine Ahnung“.

Die Autoren vom „Arznei-Telegramm“ kritisieren, dass der Effekt der Verringerung bereits innerhalb weniger Monate auszumachen ist, was im Vergleich zur Entwicklung von Demenz rasend schnell ist und deshalb kaum etwas damit zu tun haben kann.

Was denken die Autoren vom „Arznei-Telegramm“ abschließend?

Sie gehen davon aus, dass ein kausaler Zusammenhang nur durch randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte = klinische Studien aufgezeigt werden kann. Daher sollten die Impfstoffe keinesfalls diese Indikationserweiterung erfahren und nicht zur Demenzprophylaxe zum Einsatz kommen…. „und schon gar nicht hierfür in einer Fernsehsendung propagiert werden“.

Ganz meine Meinung!

Fazit

Es ist wie im Tollhaus! Da gibt es Beobachtungen und Vermutungen, wo eine Impfung um 17, 27, 32 oder 72 % Demenz verhindern bzw. verlangsamen könnte. Man weiß zwar nicht, wie diese „Wirkung“ zustande kommt. Aber man macht schon fleißig Werbung in den Medien, ganz ohne klinische Studie und sieht die Vermutung schon als „Beweis“ an. So sieht also „evidenzbasierte Medizin“ aus?

Bei den Nebenwirkungen der Corona-Genspritzen, die je nach Störung eine Steigerung von Hunderten oder sogar Tausenden von Prozenten erfuhren, werden diese Entwicklungen dann aber als „nicht kausal“ eingestuft. Oder mit anderen Worten: Wenn Impfungen etwas zu 17 oder 72 % verbessern, dann ist das per se schon signifikant und kausal. Wenn Impfungen eine erhöhte Nebenwirkungsrate von Hunderten und Tausenden von Prozenten haben, dann muss das Zufall sein und ist keinesfalls kausal zusammenhängend.

Noch Fragen?

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Quellen:

Bildquelle: fotolia.com – Billionphotos