Bei Impfung Prämie? 500 Euro für die Corona-Impfung?

Die deutsche Impfkampagne drohte noch vor kurzer Zeit an dem zu knapp bestellten Gut Impfstoff zu scheitern. Inzwischen hat sich das Blatt total gewendet, aber auch nicht unbedingt zum Guten, denn so langsam dämmert es, dass möglicherweise nicht genug Menschen dazu bereit sind, sich überhaupt impfen zu lassen, um die so sehr ersehnte Herdenimmunität zu erreichen.

Gerade mit Blick auf die hoch ansteckende Delta-Variante des Coronavirus plädiert das Robert-Koch-Institut (RKI) dafür, dass mindestens 85 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft sein sollten. In der Konsequenz solle es nun darum gehen, vor allem die noch unentschiedenen Menschen für die Impfung zu motivieren. So sieht es auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Wie immer angeregt durch die USA, wo Freibier, Marihuana und opulente Lotteriegewinne neben der Spritze winken, mehrt sich hierzulande die Überzeugung, dass sich Menschen doch gern mit Geld zu etwas bringen lassen, was sie eigentlich gar nicht wollen. So brachten die Wissenschaftler Ekkehard Köhler (Uni Siegen) und Jan Schnellenbach (TU Cottbus-Senftenberg) die Prämie für Impfmuffel ins Spiel.

Wie im modernen Marketing üblich, sei es überdies eine gute Idee, bereits geimpften Personen für ihre Bemühungen eine Anwerbeprämie zu kredenzen, wenn sie Familienmitglieder, Freunde und Bekannte die Impfung schmackhaft machen.

Die Ökonomin Nora Szech vom KIT (Karlsruher Institut für Technologie) ist davon überzeugt, dass eine 100-Euro-Prämie zu ungefähr 80 Prozent Impfbereitschaft führen würde, für 90 Prozent müsste man aber schon 500 Euro auf den Tisch legen.

Selbstverständlich greift Frau Szech solche Zahlen nicht aus der Luft, denn für jede Aussage verlangt der Zeitgeist Studien. So eine hat sie zufällig im April 2021 veröffentlicht mit dem Ergebnis, dass zu geringe Prämien auf die Menschen wohl wie eine „Beleidigung“ wirken und die Impfbereitschaft sogar signifikant vermindern.

Kleine Infobox dazu:

Mit Stand 09. Juli 2021 erhielten 57,9 Prozent der deutschen Bevölkerung ihre Erstimpfung, 41,5 Prozent wurden bereits zweimal gepikst.

Szech geht noch einen Schritt weiter. Sie sagt, dass auch die bereits geimpften Personen die möglichst hohe Prämie erhalten sollten, und begründet dies damit, dass ansonsten viele Ungeimpfte die Spritze solange aufschieben würden, bis endlich Prämien ausgezahlt werden. Sie untermauert ihren Hinweis mit einer Ifo-Studie, die den gesellschaftlichen Wert jeder Impfung auf circa 1.500 Euro schätzt. Da wäre es doch kein Problem, den Bürgern davon ein Drittel zukommen zu lassen.

In Griechenland, erinnert Szech, haben junge Erwachsene für ihre Impfung immerhin 150 Euro bekommen. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch FDP-Chef Christian Lindner, der an einen Gratis-Eintritt in Museen denkt, wenn sich die Menschen unmittelbar vor dem Besuch dort impfen lassen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kamen in ähnlicher Weise sofort die Fußballstadien in den Sinn.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP, Michael Theurer, hält allerdings dagegen, dass die Freiheitsrechte für vollständig Geimpfte doch gewiss „der beste Turbo gegen Impfmüdigkeit“ seien.

Beitragsbild: 123rf.com – thodonal

Dieser Beitrag wurde am 17.07.2021 erstellt.

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